1. Die haptisch-taktile Interaktionstherapie nach Bähr (c)
Die haptisch-taktile Interaktionstherapie basiert auf Erkenntnissen, die ich, Antje Bähr, aus analytischen Prozessen im Rahmen meiner Doktorarbeit zur "Qualität der therapeutischen Berührung" gewonnen habe. Im Rahmen dieser Doktorarbeit entstand eine Systematik, die sich wie folgt zusammenfassen lässt:
1. Ich berühre intentional. Entweder versuche ich haptisch-taktil Informationen vom Körper des Patienten wahrzunehmen und zu interpretieren oder ich versuche den Körper manuell gezielt zu beeinflussen.
2. Ich unterscheide zwischen
- lokal-strukturellen Einflüssen
- ganzkörperlich-strukturellen Einflüssen
- emotionalen Einflüssen
- mentalen Einflüssen
- interaktiven Einflüssen
in Bezug auf die jeweils palpierte Körperstruktur. Damit differenziere ich die Ursache der geweblichen Symptomatik.
3. Ich nutze meinen eigenen Körper als Resonanzraum für
- emotionale "Ansteckungen" bzw. Übertragungen
- die Wahrnehmung interaktiver Reaktionsmuster wie Widerstände, Angriff-, Flucht- und Starrereaktionen, die ich bei mir selbst oder meiner Patient:in wahrnehme
4. Ich lasse mich von der kontaktierten Körperstruktur und den damit verbunden Wahrnehmungen leiten in Bezug auf
- die Auswahl des Behandlunsgortes
- die Druckintensität
- den Behandlungsrhythmus
- die Dauer der Intervention
- Anpassungen und Veränderungen meiner Taktik
- die Art und Weise der Kontaktaufnahme (z. B. eher abwartend und raumgebend oder eher invasiv und provokativ)
5. Ich spiegele meine Wahrnehmungen verbal, damit die Patient:in ihre Körperreaktionen besser spüren, nachvollziehen, interpretieren und beeinflussen lernt und somit aktiver Teil des Prozesses wird.
6. Ich lasse die Patient:in von für sie als stressig wahrgenommenen Situationen berichten und verfolge parallel das Reaktionsmuster der palpierten Körperstruktur.
7. Ich nutze das Phänomen der körperlichen Enge und Weite als Kommunikationsbasis zwischen der Patientenhand und dem Leib der Patientin. Parallel ermutige ich die Patient:in, dieses Phänomen selbst wahrzunehmen und unterbreite passende Interpretationsangebote.
8. Ziel ist es, die Ursachen körperlicher Symptome zunächst differenziert betrachten und analysieren zu können und anschließend die entsprechenden identifizierten Muster aktiv beeinflussen und verändern zu können.
2. Die "My Body - My Coach" Methode (c)
Die "My Body - My Coach" Methode basiert auf dem gleichen Prinzip, allerdings wird bei dieser Herangehensweise bewusst darauf geachtet, dass die Patient:in lernt - ohne Unterstützung Dritter - das reaktive Enge- und Weitephänomen sicher selbst wahrnehmen und interpretieren zu können und somit adäquater auf zuvor als stressig wahrgenommene Situationen reagieren zu können. Sie wird ihre eigenen und situativen Körperreaktionen als Wegweiser für stimmige, anschlussfähige und selbststärkende Handlungen zu nutzen.
Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Emotionen
- Trauer
- Wut
- Sorge
- Angst
und den mitreagierenden Organen Lunge, Magen, Leber/Galle, 12-Finger-Darm und Nieren/Blase. Herz und Dünndarm nehmen eine Sonderrolle ein. Ziel ist es:
- einen guten Kontakt zum eigenen inneren Kompass aufzubauen und zu halten
- Nähe und Distanz gut und flexibel austarieren zu können
- sich situationsadäquat und anschlussfähig abgrenzen zu lernen
- die positven Aspekte von Trauer, Sorge, Wut und Angst verstehen und nutzen zu können
- emotionale und mentale Blockaden und Konflikte zu erkennen und aufzulösen und in einen
- harmonischen inneren Frieden zu finden
Der Körper und seine Reaktionen ist dabei ein hilfreicher und weitestgehend unbestechlicher Wegweiser.

